Wirklicher Energie-Experte zerlegt die ignorante, mit wüsten Beschimp­fungen angefüllte Hasstirade gegen Kohle

Richard J. Trzupek
Im vorigen Monat hat der HBO-Komiker* John Oliver in seiner Show eine Episode einer mit wüsten Beschimpfungen angefüllten Hasstirade gegen Kohle, Kohleenergie-Befürworter und Präsidenten der USA, welche sich Schutzhelme der Kohlekumpel aufgesetzt haben, gewidmet.

[*HBO = Home Box Office, Inc., ein amerikanischer Medienkonzern]

Er tat dies gemäß der Formel, welche Jon Stewart so erfolgreich während seiner ganzen Laufbahn in Anspruch genommen hat: sei geistreich und verweise auf eine Menge Fakten, um deiner Meinung über jedwedes Thema satirisch Ausdruck zu verleihen, und sei guter Hoffnung, dass die Zuhörerschaft dich als Experten anerkennt.

Falls es niemandem gelingt, seine Stimme laut genug zu erheben um nachzuweisen, dass deine Argumente nicht haltbar sind, kannst du dich beruhigt zurücklehnen. Du hast gewonnen. Falls es jemandem gelingt, deine Irrtümer in bedeutsamer Weise bloßzustellen, kann man sich jederzeit hinter „Aber hallo, ich bin einfach ein Entertainer! Ich habe nie behauptet, ein Experte auf diesem Gebiet zu sein. Also beruhigt euch!“ zurückziehen. Also ist jeder, der dich kritisiert, ein überempfindlicher Nörgler. Du hast gewonnen.

Olivers Kohle-Tirade steckte so voller Fehlinterpretationen, Übertreibungen und Konfusion, dass ich vermutlich ein ganzes Buch gebraucht hätte, um alle zu erklären. Aber beginnen möchte ich in aller Fairness mit etwas, worin Oliver tatsächlich recht hat: Nämlich mit der [von Oliver] irreführend zitierten Aussage des neuen EPA-Direktors Scott Pruitt, der zufolge „in der Kohle-Industrie 50.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind“, seit Präsident Trump das Amt übernommen hat.

Pruitt hat das so natürlich nicht ausgedrückt. Er bezog sich auf Arbeitsplätze im „Kohle- und Bergbau-Sektor“, was eine technisch richtige, aber viel zu irreführende Beschreibung ist. 50.000 neue Arbeitsplätze sind im Energiesektor geschaffen worden seit Trumps Amtseid. Aber die große Mehrheit dieser Arbeitsplätze entstand im petrochemischen Sektor der Energieindustrie, deren Aktivitäten nur dann als „Bergbau“ beschrieben werden können, wenn man eine außerordentlich grobe Bürste anlegt.

Und jetzt wollen wir uns beispielhaft ein paar Dinge herausgreifen, bei denen Oliver und seine Schreiberlinge so furchtbar falsch lagen:

Solarenergie ist die Zukunft

Oliver sagt das zwar nicht explizit, lässt es aber eindeutig im Hintergrund seiner Tirade immer wieder durchscheinen. Sogar das Kentucky Coal Mining Museum [Kohlebergbau-Museum] hat auf Solar umgestellt! (Das stimmt zwar nicht, aber dazu später mehr). Solarenergie mag ihre Anwendungen haben, aber diese sind sehr begrenzt und lokal. Energieerzeugung in großem Umfang mittels Solarenergie ist aus einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Gründe vollkommen undurchführbar. Unter diesen Gründen sind u. A.: die Sonne scheint nicht immer, die Energiedichte von Solarenergie ist extrem niedrig, es gibt Wolken, die Speicherung von Energie ist horrend teuer. Aber es gibt auch noch viele andere wissenschaftliche und ökonomische Realitäten.

Das glauben Sie nicht? Hier folgen die jüngsten Vorhersagen der nationalen Energieerzeugung der Energy Information Administration (EIA), welche noch während der Amtszeit von Präsident Obama veröffentlicht worden waren:

In den USA erzeugte Energie während des Jahres 2017: fossile Treibstoffe 77,4%, Kernkraft 9,5%, Wasserkraft 2,9%, Erneuerbare 8,6%, andere 1,5%. Energieerzeugung im Jahre 2050 in den USA: fossile Treibstoffe 76,8%, Kernkraft 6,1%, Wasserkraft 2,9%, Erneuerbare 13,6%, andere 0%. Dies beweist nicht eine hypothetische Welle von Erneuerbaren, sondern es beweist, dass die Wirklichkeit von Erneuerbaren ein Tröpfeln ist.

Kohleenergie wird verdrängt, weil Erdgas und Solarenergie billiger sind

Netter Versuch, stimmt aber nicht. Das ist vollkommen unhaltbar. Im Jahre 2015, dem letzten Jahr, für das die EIA zertifizierte Daten veröffentlicht hatte, lagen die mittleren Kosten von Kohle bei 2,22 Dollar pro Millionen BTU*, während die mittleren Kosten für Erdgas bei 3,23 Dollar pro Millionen BTU lagen. Erdgas ist so billig wie seit langer Zeit nicht mehr, und das wird auch so bleiben, aber auf einem wirklich freien Markt kann Erdgas nicht mit Kohle konkurrieren. Was ist mit Wind und Solar? Ohne die unverhältnismäßig großzügigen Steuernachlässe und öffentlich-rechtlichen Anreize für diese Art der Erzeugung, wären diese nicht einmal ansatzweise im Gespräch. Die Realität ist, dass Erdgas die Kohle aus den folgenden drei Gründen verdrängt:

1. Die während der Obama-Ära von der EPA übernommenen Standards der Luftgüte sind so stringent, dass sie jedermann davon abhalten würden, Holz in einem Kamin zu verbrennen, einen Gartengrill zu betreiben oder ein Lagerfeuer zu entzünden – wenn man diese Standards dem Normalbürger überstülpen würde. Die EPA weiß um die Unpopularität, derartige Standards durchzusetzen, so dass sie nicht in Kraft sind – noch nicht.

2. Die EPA verkündete während der Obama-Ära neue Vorschriften, welchen zufolge ältere, weniger effiziente Kohlekraftwerke mit so viel Kontroll-Ausrüstung ausgestattet werden sollen, dass es ökonomisch sinnvoller ist, diese Einrichtungen stillzulegen, als sie mit neuen Technologien auszustatten, die geringfügig effizienter, aber drastisch teurer sind.

3. Umwelt-NGOs wie der Sierra Club und der National Resources Defense Council haben das Genehmigungs-System sehr effektiv gespielt, reichten sie doch tausende öffentlicher Kommentare und Anfragen im Rahmen des Informationsfreiheit-Gesetzes [Freedom of Information Act] ein, welche laut Gesetz vom Gesetzgeber beantwortet werden müssen. Der schiere Umfang dieser Kommentare und Anfragen verzögerte (im besten Falle) Projekte oder brachte diese zu Fall (was viel öfter der Fall war) – Projekte, die zur Installation neuer, moderner, effizienterer und saubererer Kohlekraftwerke geführt hätte, welche die älteren Werke ersetzt hätte in einem gesunden, uneingeschränkten freien Markt.

[*BTU = British Thermal Unit (englisch)Britische Wärmeeinheit ( = 1.055,06 J)]

Das Kentucky Coal Mining Museum wird mit Solarenergie betrieben. Wie macht sich das als Beleg für das Konzept?

Diese Behauptung wäre tatsächlich bedeutend, wenn sie denn stimmen würde. Aber traurigerweise ist das nicht der Fall. Rechnen wir mal etwas nach:

Das Kentucky Coal Mining Museum sagt, dass es 20 Solarpaneele installiert hätte. Unter idealen Bedingungen liefert ein Paneel etwa 345 Watt. Also: 20 X 345 = 6900 Watt Erzeugungskapazität.

Den EIA-Daten zufolge benötigt ein durchschnittlicher Haushalt in Kentucky etwa 42.000 BTUs pro 0,1 m² Wohnfläche. Ich kann mir vorstellen, dass der Energieverbrauch eines Museums größer ist, aber nehmen wir mal diese Zahl als Eckpunkt. Zieht man Google Earth als eine Quelle heran, ist das Museum in Kentucky ein dreistöckiges Gebäude mit einer Nutzfläche auf allen drei Etagen von 2070 Quadratmetern.

Falls wir diese 42.000 BTUs pro 0,09 m² als Eckpunkt nehmen und auf eine Fläche von 2070 Quadratmetern übertragen, kommen wir zu einem Gesamt-Energiebedarf von etwa 1 Million BTUs pro Jahr, was sich auf 34.000 Watt Energie pro Stunde für das Museum herunterrechnet.

Mit einer Erzeugungskapazität von 6900 Watt und einem mittleren Bedarf von 34.000 Watt wird die Flotte der Solarpaneele auf dem Dach des Museums in Kentuky niemals mehr als 20% des Energiebedarfs des Museums decken können.

Berücksichtigt man jetzt noch den Umstand, dass Solarpaneele nachts gar keinen und bei starker Bewölkung kaum Strom erzeugen – und starke Bewölkung herrscht in Kentucky im Mittel etwa ein halbes Jahr – wird die Flotte der Solarpaneele des Museums wahrscheinlich weniger als 10% der Energie erzeugen, welche das Museum in einem gegebenen Jahr tatsächlich verbraucht. Die inhärente Ineffizienz von Solarenergie ist mit Sicherheit der Grund, warum sich das Museum auf anonyme Spender stützt, welche für die Solarpaneele zahlen, anstatt die ökonomisch unsinnige Entscheidung zu treffen, selbst für die Paneele aufzukommen.

Unter dem Strich: Entertainer wie Oliver haben sicher alle Freiheiten in einer freien Gesellschaft, alle Arten von Witzen zu machen. Wir sollten alle stolz sein auf eine Tradition, die sowohl ignorante als auch informierte Kreise im freien Markt der Gedanken zu Wort kommen lässt, aber wenn und falls wir wirklich eine intelligente Konversation unter Erwachsenen über bedeutende politische Themen wie Energie-Ressourcen pflegen wollen, müssen wir aufhören, so zu tun, als ob ein Komiker einen – im Sinne des Wortes – Experten ausmacht.

Einige Kritiker bringen uns zum Lachen. Einige bringen uns zum Nachdenken. Und einige wenige schaffen beides. Ich kann mir vorstellen, dass John Oliver die Hoffnung hegt, in die Ränge jener Kritiker aufzusteigen, die tatsächlich beides geschafft haben: Kommentatoren wie H.L. Mencken, Dorothy Parker, William F. Buckley und seit Neuestem Mark Steyn.

Olivers gedankenlose, schrille und vulgäre Ausbrüche über den Energiesektor in Amerika heute zeigen, dass er kein Interesse an Fakten oder Konsequenzen hat, sondern dass es ihm ausschließlich um Quoten und Lacher geht. Während ich ihn um beides Letztere nicht beneide, hoffe ich, dass Amerika intelligent genug ist zu erkennen, dass Komiker wie Oliver nicht als Respektspersonen hinsichtlich Ersterem durchgehen können.

[Originally Published at Breitbart]

Link: https://www.heartland.org/news-opinion/news/real-energy-expert-destroys-john-olivers-ignorant-profanity-laced-rant-about-coal

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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Ein Kommentar

  1. Interessante Gegenüberstellung der Energiepreise von Kohle und Gas. Aber sind dem Energieexperten tatsächlich nicht die Wirkungsgerade der Kraftwerke bekannt. Ein GuD benötigt ca. 1/3 weniger Rohstoff um eine kWh Strom zu erzeugen. Mit den im Text genannten Preisen allein ist ein GuD in den USA also schon im Kostenvorteil ohne Berücksichtigung der weiteren geringeren Betriebskosten (Wartung, Eigenstrom, Ascheentsorgung usw.). Also entweder ist das kein Experte oder er will bewußt Fake News verbreiten.

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